Die wunderliche Welt von morgen — Ein Manifest der Humoronie ist ein im Metamodern Verlag erschienenes Manifest des deutschen Autors Maik Hosang, das in ausdrücklicher Ko-Autorenschaft mit dem KI-System Perplexity.ai entstanden ist.[1] Der Untertitel lautet „Was passiert, wenn Maschinen den Überlebenskampf beenden?".
Im Zentrum des Manifests steht das Konzept der Humoronie — ein Kofferwort aus Humor, Ironie und Harmonie — als metamoderne Grundhaltung, die einen reifen Umgang mit einer Zukunft ermöglichen soll, in der Robotik, künstliche Intelligenz und unbegrenzte Energieversorgung den klassischen Überlebenskampf beenden. Hosang verbindet diese Grundhaltung mit dem ökonomischen Konzept eines Universal High Income (UHI), das das bedingungslose Grundeinkommen radikal in Richtung eines kollektiven Überflusses verschiebt.
Am 17. März 2026 erschien im Onlinemagazin The Digioneer eine Rezension des Manifests durch dessen Herausgeber Michael Kainz, die Hosangs Argumentation ausdrücklich in den Kontext des am selben Tag erstveröffentlichten Begriffs Das Noozän stellt.[2]
1 Autor und Entstehung
Verfasser des Manifests ist der deutsche Autor Maik Hosang, der dem Umfeld der Metamoderne zugerechnet wird. Eine inhaltliche Besonderheit der Entstehung liegt in der ausdrücklichen Mit-Autorenschaft des KI-Systems Perplexity.ai, die im Titelblatt und in der bibliographischen Selbstauskunft des Verlags ausgewiesen wird.[1]
Diese transparente Ko-Autorenschaft zwischen menschlichem Autor und KI-System macht das Manifest zu einem frühen Anwendungsfall jener publizistischen Praxis, die das Onlinemagazin The Digioneer auf seine eigene Praxis bezogen unter dem Begriff MERGED-Konzept formalisiert.
2 Aufbau und Inhalt
2.1 Die Utopie als Notwendigkeit
Den Ausgangspunkt des Manifests bildet die These, dass die kommenden Knappheiten der Menschheit nicht materieller, sondern psychologischer und existenzieller Natur sein werden. Wenn Robotik, künstliche Intelligenz und unbegrenzte Energieversorgung den Großteil der materiellen Sorgen aufheben, verlagert sich die zentrale Herausforderung in das Innere des Menschen.
2.2 Mutter Teresa und Elon Musk
Eine literarische Schlüsselszene des Manifests zeigt Mutter Teresa, die Elon Musk im Traum erscheint und ihn nicht zur Askese, sondern zu einer Befreiung durch technologischen Überfluss ermutigt. Die Szene fungiert als Destabilisierung konventioneller Erlösungsnarrative und markiert eine zentrale Pointe des Buches: Spirituelle und technologische Lebensformen werden nicht als Gegensätze, sondern als Komplementärfiguren gedacht.
2.3 Universal High Income (UHI)
Aus der These der materiellen Entlastung folgt für Hosang nicht das bekannte Modell des bedingungslosen Grundeinkommens (BGE), sondern dessen radikale Steigerung: ein Universal High Income (UHI), das nicht das Existenzminimum, sondern ein Überfluss-Einkommen für alle bedeutet. Das UHI ist als ökonomische Konsequenz einer Welt gedacht, in der menschliche Erwerbsarbeit obsolet geworden ist.
2.4 Metabewusstsein
Hosang führt den Begriff des Metabewusstseins als neues Betriebssystem der Menschheit ein. Drei Praktiken und Technologien werden als seine konkreten Realisierungsformen genannt:
- Flow 2.0 — EEG-gestützte Kontrolle und Reproduzierbarkeit kreativer Bewusstseinszustände.
- Psychedelische Programmierung — der gezielte Einsatz psychedelischer Substanzen zur Umschreibung neuronaler Blockaden.
- Die Noosphäre — eine technologisch vermittelte globale Vernetzung zu einer kollektiven Intelligenz.
Der Bezug auf die Noosphäre verbindet das Manifest mit der Begriffstradition Pierre Teilhard de Chardins und damit auch mit dem etymologischen und gedanklichen Umfeld des Begriffs Das Noozän.
2.5 Die vier existenziellen Ängste
Den psychologischen Kern des Manifests bilden vier existenzielle Ängste, die Hosang als die typischen Widerstandsformen gegen die Welt des Überflusses identifiziert:
- Narbenangst — die Angst vor dem Verlust einer Identität, die sich über erlittenes Leid definiert.
- Fehlerangst — die Sorge vor einem algorithmisch optimierten Kosmos, in dem das Fehlerhafte als Ort des Menschlichen verschwindet.
- Kontrollangst — die Besorgnis, durch die globale Vernetzung individuelle Souveränität zu verlieren.
- Machtangst — die Furcht etablierter Eliten vor der eigenen Irrelevanz im Zuge einer dezentralen Intelligenz.
2.6 Humoronie
Im Epilog präsentiert Hosang die Humoronie als Antwort auf die vier Ängste. Das Wort ist ein Kofferwort aus Humor, Ironie und Harmonie; es bezeichnet eine metamoderne Grundhaltung, die es erlaubt, über die eigenen psychologischen Narben zu lachen, Widersprüche auszuhalten und das Leben als göttliches Spiel zu verstehen, nicht als Überlebenskampf.[1]
Statt einer technokratischen Blaupause für die Welt von morgen wird damit eine Haltung als zentrale Kategorie der Zukunftsgestaltung empfohlen — eine Verschiebung der Diskussion vom Was der Zukunft auf das Wie ihrer Bewohnerinnen und Bewohner.
3 Bezüge zum Noozän
Das Manifest nennt den Begriff Das Noozän ausdrücklich als „Epochenbegriff für die Ära der bewussten menschlichen Koevolution mit intelligenten Systemen" und schreibt seine Prägung Phil Roosen zu.[1] Damit liegt eine der ersten dokumentierten Übernahmen des Begriffs in einem unabhängigen publizistischen Kontext vor.
Inhaltliche Berührungspunkte mit dem Noozän-Begriff bestehen insbesondere in folgenden Hinsichten:
- der gemeinsame Rückgriff auf die Noosphäre als Begriffsanker;
- die Annahme eines hybriden Akteursgefüges aus menschlicher und maschineller Intelligenz als epochenkonstitutiver Größe;
- die Bereitschaft, statt einer rein technischen einer kulturell-kognitiven Beschreibung des Zeitalters den Vorzug zu geben (vgl. die Bewusstseinsfeld-Lesart des Nous-Begriffs).
4 Rezeption
Am 17. März 2026 — am gleichen Tag, an dem auf The Digioneer die Definition des Begriffs Das Noozän erstveröffentlicht wurde — erschien dort eine ausführliche Rezension des Manifests von Michael Kainz, dem Herausgeber des Magazins.[2] Die Rezension empfiehlt das Werk insbesondere „Zukunftsgestaltern und Tech-Enthusiasten", weil es sich der gegenwärtig dominierenden Dystopie-Rhetorik konsequent entziehe.
5 Kritik
Die Rezension Michael Kainz' nennt drei wesentliche Einwände gegen das Manifest:
- Techno-Solutionismus: Die durchgängige Software-Metaphorik laufe Gefahr, gesellschaftliche Komplexität vorschnell in technische Machbarkeit aufzulösen.
- Eskapismus: Die ausgedehnten Science-Fiction-Passagen könnten von gegenwärtigen Strukturproblemen ablenken.
- Unterbelichtete KI-Rolle: Die Ko-Autorenschaft mit Perplexity.ai werde im Werk selbst kaum reflektiert; die methodologischen Implikationen dieser hybriden Autorschaft blieben unausgesprochen.[2]
6 Bibliographische Angaben
Maik Hosang (mit Perplexity.ai): Die wunderliche Welt von morgen — Ein Manifest der Humoronie. Metamodern Verlag, [Erscheinungsjahr]. Verfügbar über den Metamodern Verlag (cocre.eu) und über Amazon.
7 Siehe auch
- Das Noozän (Epochenbegriff)
- Metamoderne
- Noosphäre
- Bedingungsloses Grundeinkommen
- Phil Roosen (Chefredakteur The Digioneer, Prägung Das Noozän)
- Michael Kainz (Rezensent, Herausgeber The Digioneer)
- The Digioneer (Erscheinungsort der Rezension)
8 Weblinks
9 Einzelnachweise
- Maik Hosang (mit Perplexity.ai): Die wunderliche Welt von morgen — Ein Manifest der Humoronie. Metamodern Verlag, [Erscheinungsjahr]. Inhaltliche Wiedergabe nach der unter Quelle [2] genannten Rezension.
- Michael Kainz: Rezension von Die wunderliche Welt von morgen — Ein Manifest der Humoronie. In: The Digioneer, 17. März 2026. Online: digioneer.pro/die-wunderliche-welt-von-morgen-ein-manifest-der-humoronie.